I’M NOT A F***KING PRINCESS
gesehen am 06. 11. 2011
Es beginnt mit einem Kind, das spielt, herumtollt. Das Kind wohnt bei seiner Mutter, gemeinsam wohnen sie bei deren Oma, zumindest scheint es so zu sein, in diesem Gender Haushalt, in diesem Generationenhaushalt weiblicher Typen: Die alte Rumänin, die geflissentlich zu Gott betet, weil sie meint, das wäre gleichzusetzen mit guten Taten, ihre Enkelin – wie auch immer das mit deren Mutter nun gelaufen ist – die malt und jetzt damit beginnt Fotos zu machen: Und das in deinem Alter. Und eben das Kind.
Was braucht man um Fotos zu machen? Man braucht ein Motiv. Wen nimmt man da? Das verdorrte Kind, das nach Geborgenheit wartende, eigene Kind. Der Physiophobie wird die Schuld in die Schuhe geschoben und jetzt wird halt mit der Kamera ersetzt, was man vorher an Aufmerksamkeit unterlassen hat. Das ist praktisch. Ein bisschen Eifersucht auf das Jung-Sein des Kindes, auf das Schön-Sein, auf das Begehrt-Werden, das auch. Da gehen die eigenen Träume von Ruhm und Ehre in Erfüllung auf Kosten der eigenen Tochter. Doch halt der Kauz wird ein wenig wütend, so funktioniert der Film aber nicht, das schafft er so gar nicht: Die Puppenhaftigkeit der Tochter wird in jeder Minute hervorgehoben, auch dann, als sie beginnt dagegen zu rebellieren. Immer noch leidet sie nicht, immer noch strotzt sie vor Selbstbewusstsein. Woher sie die Kraft nimmt, die Kritikfähigkeit, das versteht man nicht. Sie wird ihr von niemandem gegeben, zumindest nicht so, dass man es sieht, sie ist einfach da. Vielleicht kommt das dabei heraus, wenn jemand seine eigene Geschichte verfilmt. So döst der Film oft dahin …
außer an den Stellen, an denen er laut wird und immer wenn er das wird, dann hat man das Gefühl, hier sollen Probleme ganz schnell und ganz cool einfach so im Tohuwabohu verschwinden. In diesen Momenten wirkt er sich selbst gegenüber sehr unsicher.
Visuell ist der Film merkwürdig altertümlich, in seinen Schnitten, in seinen Zoom, in seinem Hinaus- und hineingehen in die Szenen. Mensch vielleicht, denkt sich der Kauz, hat sie das mit Absicht gemacht, weils der damaligen Zeit entspricht, ja dann, also ja dann … der Kauz nimmt eigentlich immer mal den besten Willen an … es könnte … also es könnte aber auch Unvermögen sein und artifizieller Unsinn.
Isabell Hubert ist gut. Wie eigentlich immer. Sie ist eigentlich immer gleich gut, was das Gute dann doch etwas vorhersehbar macht. Die Tochter, als morbides, barockes, erotisches Etwas, das sich hineinschmiegt, hineinschmiegt in die Arme und Erwartungen der Mutter ist auch gut.
Der leicht perverse, geldgierige, schmierige Typ: Sie hat dich auf den Fotos sublimiert, das bist nicht du, das ist jemand anderes.
Das Mädchen: Wer ist es denn?
Es hört auf mit der Mutter, die das Kleid ihrer Tochter trägt und der Tochter, die zwischen anderen erwachsenen Kindern sitzt und schließlich vor der Mutter flieht.
Das Mädchen: Ich will einfach in einer ganz normalen Umgebung ein ganz normales Leben führen.
Die Mutter: Aber das will doch keiner.
