Der Gott des Gemetzels

Programmheftmäßig:

Regie: Roman Polanski, nach einem weltberühmten Theaterstück von Yasmina Reza. Mit Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz und John C. Reilly.

Der gute alte Kauz macht das ja nur ungern und irgendwie auch selten und es beschämt ihn ein bisschen, aber er droppt und droppt und droppt, ein Name nach dem anderen entfließt seiner Feder (analoge romantische Scheinwelt in der mein Geist noch lebt): Namedropping hoch 10 oder so – mindestens – vor allen Dingen für so alte Kinofetischisten wie den Kauz. O man weißt du, der mit dem und das … als wäre das eine Begründung, ein Adjektiv … na ja, es ist so, auch der Kauz ist ein bisschen anfällig für Personenkult.

Zum Film:

Dass es eigentlich ein Theaterstück ist, das merkt man und das macht Spaß (ok, alle mal in die Hände klatschen). In jeder einzelnen Sekunde geht es allein um vier Schauspieler: Wie und was sie reden, wie sie sitzen, was sie tun, wie sie die Hände ineinander schlagen oder sich Blicke zuwerfen, wie sie ihre Kampfgegner und Mitstreiter wählen, wie diese kleine Gruppe – in ihrer örtlichen Begrenztheit – doch so viele innere und äußere, vergangene und entfernte Orte aufscheinen lässt. Vier Personen in ein bürgerlich-adrettes Apartment gepfercht. Oberflächlich optimal zivilisiert: Kultivierte Urtiere, die sich ständig dem Zwang von verschiedenen gesellschaftlichen Konventionen unterwerfen, ohne die – ohne Frage – unsere Gesellschaft auch nicht funktionieren würde. Doch diese Vier überwinden sie, ohne es freilich zu wollen. Sie beginnen, ernsthaft um Contenance bemüht und scheitern im Endeffekt an ihrem eigenen Bild von sich, ihrem Leben und der Gesellschaft.

Sie reden von den Rangeleien ihrer Kinder. Da geht es um Gang-Anführer, Unterdrückung und sich auf verschiedene Seiten schlagen, das wird fortgesetzt in den Erwachsenen. In jedem Alter führt der Mensch Revierkämpfe, bilden sich Gruppen, die sich zueinander in verschiedenen Machtverhältnissen positionieren. Mit dem Alter lernt man nur es zu kaschieren, mit Händedrücken und verständigem Kopfgenicke, versteckten Blicken und zusammengekniffenen Oberschenkeln.

Gewalt geht uns alle an.

Aber klaro, sei dies nun körperlich oder verbal – Kinder die sich gegenseitig die Zähne aushauen treffen ins Innere des späteren Erwachsenseins. Der eine schlägt mit der Faust ins Gesicht, der andere mit Worten in den Kopf.

Auch üble Paarprobleme. Beziehungsduselei. Aber dann, das Auskotzen einer mittlerweile verhaltensgestörten Spezies. Die Kultur als zivilisierende Kraft kann da auch nichts mehr retten. Das ist irgendwie alles nicht allzu überraschend, tut aber auch irgendwie gut

Der Kauz hat das Theaterstück niemals gesehen, doch er ging von einer boulevardesken aber immerhin guten Screwball-Komödie aus, doch es ist ein bisschen fieser, es ist ein bisschen treffender.

Raufen ist ein Naturgesetz.

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