EINE DUNKLE BEGIERDE
gesehen am 21.11.2011
Was haben Sie für besondere Interessen?
Selbstmord, interplanetarische Ausflüge.
Wenn das so ist und sonst nichts weiter, ja wenn das so ist, Todestrieb und die Neugier, ja dann, lass uns drüber reden, wenn das so ist, mal sehen wie es so ist. Was ist da so? Was tragen wir in unserem Inneren? Was bewegen wir da, zwischen Zwerchfell und Magen, Leber und Niere, was springt da hin und her, zwischen den kleinen Zysten, den merkwürdig wurmigen Gehirnwindungen die auf dem Seziertisch fahl anlaufen? Kommt da ein Fetisch durch? Ein Trieb? Ein Trauma? Ein Symptom? Und was ist da noch, was wenig offensichtlich unsere Person bestimmt? Populistischer: Wer sind wir und wenn ja wie viele?
Egal ob die Geschichte nun historisch korrekt ist, sich die tatsächlichen Persönlichkeiten so verhalten haben oder nicht, man lernt doch etwas über den Beginn der Psychoanalyse und die grundsätzlichen Ansätze der unterschiedlichen Parteien. Man lernt etwas über die Befindlichkeiten und das Sein zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Wie war es, an der Schwelle zur Moderne, zum stressgeplagten Großstädter, an der Schwelle zur Emanzipation und zu einer Art ganzheitlichen Menschenbetrachtung: Sein Inneres und sein Äußeres, seinen Körper, seinen Geist, seine Vergangenheit, seine Wünsche, seine Treibe: Sigmund Freud, C. G. Jung und Sabina Spielrein.
Das Schläge und Demütigung befriedigen könne, das hat der Film SECRETARY viel eindrücklicher und auch selbstbewusster gezeigt, bei EINE DUNKLE BEGIERDE bleibt alles ein wenig harmlos auch wenn sich Keira Knightley darum bemüht, so kommt sie nie gegen den unterkühlten wissenschaftlichen Blick der immer leicht militärisch wirkenden, sterile Männer an. Da redet Freud über nichts anderes als Sexualität und wirkt dem Ganzen doch so distanziert und verschlossen gegenüber, als hätte er es nie getan. Wogegen C. G. Jung die fast schon manische Sexualinterpretation Freuds anzweifelt. Er ist dabei etwas esoterisch, aber auch zukunftsgewandt, an die Veränderung glaubend, an das selbstständige Kreieren des Subjekts, während Freud im Dunkel der Vergangenheit, des Traums und der Triebe forscht, keinen neuen Menschen schaffen will, sondern den einen hervorholen möchte.
Die beiden Widerstreiter, kämpfen gegen sich und aus dieser Zerstörung entsteht Neues, so wie Spielrein es schon bei der Sexualität sieht: Zerstörung ist schöpferisch.
