Jane Eyre
gesehen am 04.01.2012
Ich sehe in Ihnen einen gefangenen Vogel. Wäre er frei, würde er zu den höchsten Wolken fliegen.
Man, ja klar, der Kauz hat auch Ahnung von Poesie und auch etwas von Romantik und der Kauz hat den Roman tatsächlich zwei Mal gelesen, was er sonst selten tut, weil er es für überflüssig hält, weil es so viele Bücher gibt, auf der Welt. Aber natürlich bewegt ihn alles was mit wilden Vögeln zu tun hat. Leider erinnert der Kauz sich nicht mehr allzu gut an Charlotte Brontës Roman – das macht das Alter, denkt er sich immer, da bliebt weniger konkreter Inhalt als eher ein unbestimmtes Gefühl – aber er weiß wohl, dass es sein Lieblingsliebesroman gewesen ist, zumindest eine ganze Weile. Und das lag wahrscheinlich vor allen Dingen daran, dass es kein im klassischen Sinne schöner Liebesroman ist, er ist unheimlich, grausam und ein wenig ungerecht. Mister Rochester zwar geheimnisvoll und unzugänglich, aber auch arrogant, unterkühlt und nicht besonders gutaussehend und Jane Eyre, nicht hübsch, eher zu übersehen, aber von innerer Stärke, Selbstbewusstsein und Redegewandtheit, eine die sich wehrt gegen Ungerechtigkeit und falsche Behandlung. In dem Film da nun: Mister Rochester, blaubeäugt, leicht melancholisch und geheimnisvoll, aber dennoch lebenslustig. Jane schauend, als wüsste sie über die ganze Welt Bescheid, wolle es nur nicht verraten, deshalb: Nur schauen, nicht viel sagen. Hübsch, klar, das auch. Schlagfertig? Keineswegs. Raffinesse im Gespräch, verbaler Kampf der beiden? Keineswegs, na vielleicht im Ansatz. Als Kind noch, ja das schon. Später nur noch ein Schauen. Wie hübsch und adrett das Alles. Wie gefällig und konventionell. Da können auch Verrückte und ein Hausbrand nichts mehr retten. Einzig allein die karge, grau-blaue Landschaft, das lange, struppige Gras und der unerbittliche Wind, die im Buch so raue Charaktere erst biegen und beugen und erzeugen, kommen im Film vor. Sonst ist es ein biedermeierlicher Film nicht wie das Buch, ein zeitloser Klassiker, ein Plädoyer für die Liebe auf Augenhöhe und den Kampf jedes Menschen um Selbstbestimmung und Respekt. Es ist eigentlich ein emanzipatorisches Buch, ein starkes Buch. Keine Ahnung, aber da haben der Kauz und der Regisseur wohl ein anderes gelesen: Der Kauz hätte das Schriftliche anders gesehen. Sein Film wäre vielleicht weniger harmonisch, aber damit auch weniger belanglos geworden.
