The Ides of March
gesehen am 04.01.2012
Meine Damen und Herren,
Würde und Anstand – ach was? In der Politik? Nein, bitte. Doch doch. Dafür braucht man nur einen guten Redenschreiber, einen hervorragenden Wahlkampfleiter und einen charismatischen Politiker, dann kann man fast alles suggerieren. Das Publikum ist gerne passiv und ein bisschen naiv. Und freut sich über allgemeines Wohlbefinden, auch wenn dieses nur vorgegaukelt ist. Das ist aber auch nicht neu, mein lieber Herr Clooney, das ist ja alles schön und gut und so weiter und ja, wir wissen schon: Politischer Film in unserer Zeit ist wichtig, auf jeden Fall, für die Zukunft und unsere Kinder, weil das sind ja unsere wichtigsten Ressourcen, o Gott, ja und man braucht Idealismus, Kalkül, Loyalität und natürlich muss man Macht mögen. Herr Clooney hat da mal wieder einen Film gemacht, ebenso idealistisch wie GOOD NIGHT AND GOOD LUCK und SYRIANA, der sich in seiner nüchternen, fast dokumentarischen Art und Weise vom Hollywood Mainstream abhebt, schön. Aber dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass er es dabei allen recht machen will: Sei es nun denen, die er angreift, denen die er bewundert, denen die vorkommen und denen die nicht vorkommen. Und er will es auch sich selber recht machen, sein Image als Gutmensch, als politischer Mensch, als idealistischer Mensch weiter befördern. Wie schön. Visionen kann man so nicht umsetzen, die hat er vielleicht auch einfach nicht, weder inhaltlicher Art, noch formaler Art, kann sein. Herr Clooney, es bleibt zu sagen, man kann weder viel gegen noch für Ihre Filme sagen, nur: Ihr Film behandelt ein gutes, ein wichtiges Thema, ohne Frage, für alle, für Amerika, die Demokratie, die Welt: Warum dann so öde, tröge, träge, so sanft, so klischeebelastet, so freundlich. Ein bisschen geht es zwar schon zur Sache, es geht schließlich um Loyalität, Ideale und natürlich Sex, aber das Ganze bleibt eben auch sehr übersichtlich. Die Affäre, ach herrje, ja gut. Der wirklich groß gepuschte Fehler in diesem Film ist ein ganz kleiner und ein ganz dummer – das könnte ja interessant sein, stattdessen wirkt es aber an den Haaren herbeigezogen. So meine Damen und Herren um zum Schluss zu kommen: Der Ansatz ist ja ganz nett, darüber hinaus kommt aber nicht viel.
