Die Dramatik ist ganz offensichtlich und dann doch wieder nicht: Ein junger Mann stürzt beim Bergsteigen ab, sein rechter Arm wird dabei unlösbar zwischen einen Stein und den Felsen geklemmt, wie in eine Schraubzwinge, aus der ihn nur mit Zeigefinger und Daumen ein riesiger Held befreien könnte. Das ist einerseits unheimliches Glück, da der junge Mann ansonsten unversehrt ist, ja sogar sein rechter Arm – trotz zweifellos heikler Lage – weder gebrochen noch blutig ist, doch andererseits ganz maßlos immobil. Einerseits also dramatisch, andererseits merkwürdig undramatisch, weil statisch.
Danny Boyle, die Bewegung in Person, der Herr des schnellen Schnitts und der farbigen Lebendigkeit, gelingt es trotzdem mitzureißen, obwohl man selbst wie alle, auf den Schluss hin fiebert. Denn so wie ein in der Falle gefangener Fuchs, so kappt auch hier der Gefangene lieber seinen Arm als sein restliches Leben. Das ist ein starker Effekt, ein bisschen effekthascherisch und ein bisschen billig.
Manchmal tun die Leute Boyle den Gefallen und gehen hinaus … was irgendwie rührend ist, denn sonst verlieren die Menschen im Kino heutzutage reihenweise ihre Gliedmaßen, so wie das Leben (auf der Leinwand, eher selten davor). Hier reicht ein Mensch und sein Leid, sein Lebenswillen, sein Überlebenswillen. Also doch: Eine kleine Geschichte, mit einem Charakter, der Mitgefühl erzeugt, das sich von seinem Körper in den unseren zieht, wirkt viel mehr als jegliche Abschlachterei.
Vielleicht etwas zu poppig, vielleicht etwas zu effekthascherisch und sonnendurchflutet. Aber die Musik, der Soundtrack, die Farben, der Schnitt … Danny Boyle weiß wie man Emotionalität erzeugt.
