It’s all about love
Au Revoir Taipeh (R & B: Arvin Chen; D: Jack Yao, Amber Kuo, Joseph Chang)
Der Film beginnt so, wie er endet: Im Morgengrauen verlässt ein Taxi Taipeh, in Richtung Flughafen. Im Wagen ein Geliebter; zurück auf der ansonsten menschenleeren Straße bleibt ein Liebender – mit angebrochenem Herzen.
Wie viel Zeit zwischen den beiden Fahrten liegt, ist unklar und eigentlich egal. Zumindest für Kai (Arvin Chen), dessen Freundin gerade nach Paris geflogen ist, und der sich nichts mehr wünscht, als sie dort bald zu besuchen. Also arbeitet er tagsüber in der Nudelsuppenküche seiner Eltern, um den Flug zu finanzieren, und lernt in der Nacht Französisch. In einer Buchhandlung sitzt er auf dem Boden, versunken in seine Studien, unempfänglich für die Welt und die schüchternen Flirtversuche der Verkäuferin Susie (Amber Kuo). Doch dann beendet ein Ferngespräch Kais Träume. Die Geliebte in Paris möchte die Trennung, und Kai sieht nur einen Ausweg, um zeitiger an Geld und nach Paris zu kommen, nämlich Bruder Bao (Frankie Gao), dem Don des Viertels, eine Gefälligkeit zu erweisen.
„Weißt du, Taipeh erinnert mich sehr an Paris…“, diese Aussage seines Cutters, bei einer Fahrt mit der Hochbahn über die Stadt, sei der Grundstein zu “Au Revoir Taipeh“ gewesen behauptet Regisseur Arvin Chen. Eine Liebesgeschichte im Stil der französischen Filme der 60er Jahre wollte er drehen, einen Film in dem sich Jugendliche so bedingungslos verlieben wie in den Filmen der Nouvelle Vague, einen Film mit Gangstern und Cops, mit Musik und Tanz.
„Au Revoir Taipeh“ wurde auf der diesjährigen Berlinale uraufgeführt und war weit mehr als eine schnell vergessene Auflockerung zwischen den ambitionierten und anstrengenden Festivalfilmen.
Denn trotz aller Leichtigkeit ist „Au Revoir Taipeh“ außergewöhnlich konzentriert. Auf eine Nacht.
Diese Nacht erstrahlt im Neonlicht. Aber nicht im kalten Neonblau westlicher Metropolen, sondern Pop-Art getönt: zwischen Pink und Himmelblau chargierend. Ein Disney-Land nach Einbruch der Dunkelheit, in dem die Gangster so viel Gefahr bedeuten wie die Panzerknackerbande und in dem die dringensten Probleme der Polizisten ihre Frauen zu Hause sind. Ein Land, in dem sich Flüchtige nächtens verstecken können, zwischen Rentnern, die den Lindy Hop üben – ja, wirklich Charlston!
Alles in „Au Revoir Taipeh“ dreht sich um die Liebe. Um verlorene, um unerwiderte, um totgeredete und um unausgesprochene. Der Mann der wenigen Worte ist, in diesem Film, Gao (Paul Chiang), Kais bester Freund. Er arbeitet in einem 24 Stunden Supermarkt und ein „na dann, bis morgen“ der von ihm angebeteten Kollegin, ist alles, was es braucht, sein Herz zu entflammen.
Florian Boser
