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biutiful

gesehen am 03.05.2011

Es ist nur eine ganz kurze Szene in der Uxbal seiner Tochter erklärt wie man Beautiful schreibt. Das Wort. Schön. So wie man es spricht. Der Moment beschreibt den ganzen Film: Wie dieses schmale, kleine Kind ihren starken, großen, aber todkranken Vater ansieht und gleichzeitig so viel Harmonie wie Disharmonie, Glück wie Unglück in diesem Blick liegt.

Sicher ist das Leben schön und sicher ist das Leben schrecklich und ganz sicher macht es selten das, was wir von ihm erwarten.

Uxbal soll seine Sachen in Ordnung bringen, immer wieder, was nicht so einfach ist bei einem der sein Geld mit Fake-Luxus-Taschen dealenden illegalen Senegalesen oder Chinesen die ihre sich illegal im Land befindlichen Landsmänner auf Baustellen ausbeuten, macht. Auf eine merkwürdig schizophrene Weise denkt Uxbal – man nimmt es ihm sogar ab –, dass er was Gutes tut. Immer wieder bewegt er sich auch in die richtige Richtung, die sich aber im Nachhinein oft als falsch erweist. Die Hoffnung daran, dass sich sowohl Situationen, als auch Menschen zu Guten ändern können und es so etwas gibt wie das Schicksal, dass einem gerade im Angesicht des Todes helfen könnte, Mitleid beweisen, milde würde, die verliert man im Laufe des Films.

Aber, wie schon geschrieben: Das Schöne existiert neben dem Schrecklichen. Neben den toten, an einen Strand angeschwemmten Walen, fliegt ein weißer Taubenschwarm in einer ungeheuer grazilen Formation über den Himmel. Oder in den Farben, die einerseits kräftig und schön sind, andererseits sehr schmutzig. Manchmal flirren und flimmern die Farben, zusammen mit der Musik, dann fließt das Blut kräftig und wild.

Schon bei Babel gönnte uns Inarritu kaum Ruhe und hier tut er es noch viel weniger. Manchmal scheint es fast schon didaktisch, wie er mit einer Art permanent mahnenden Finger herumläuft: Und das und das gibt es auch noch und nun auch noch das und habt ihr schon gewusst …

Das merkwürdigste und vielleicht auch erstaunlichste an diesem Film ist sein Umgang mit dem Tod, dem eigenen, sowie auch dem von anderen. Die toten Hüllen liegen zwar da wie Mahnungen, doch sie gehören immer mit dazu, erzählen eine Geschichte, ein Leben eine Beziehung. Hinzu kommt, dass Uxbal die Toten sieht, mit ihnen spricht, aber selbst da, wo ihm das nicht gelingt, werden die Toten berührt, umarmt, es wird mit ihnen geredet, Sie tauchen aus der Vergangenheit auf und vereinigen sich mit den Lebenden. Ganz oft wird geflüstert, sowohl, wenn es um die Toten, als auch wenn es um die Kinder geht, ganz sanft wird mit beiden umgegangen, den ganz jungen und den eigentlich schon vergangenen.

Seine Sachen zu ordnen ist gar nicht so einfach und wenn man sein ganzes Leben ordnen will ist es eigentlich unmöglich.

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