Archiv

chloé

gesehen am 22.04.2010

Sinnlichkeit liegt ganz in den Körpern der Schauspielerinnen, in ihren Bewegungen, in ihren Augen und in ihrem Haar. Eigentlich kann man den ganzen Film am Haar erzählen, jede Wandel im Inneren, jedes Verhältnis zu sich und zu den anderen, erzählt im hochstecken und offen lassen.

Das Außen ist Stil, hochhackige Winterignoranz und unterkühltes Betongrau.

Ein amerikanisches Remake eines französischen Films (Nathalie) von einer Frau und einer Frau und einem Mann und deren Sohn. Etwas anders als die französische Version, etwas mehr an Taten.

Die Ehefrau erzählt vom Orgasmus, der aus Muskelkontraktionen besteht – nichts weiter. Der Mann, Professor, beschreibt Opern und ihre Schönheit mit einer Leidenschaft, die er auch auf junge Mädchen anwendet. Die Ehefrau sucht

eine Nutte, die sich auch unter die normalen Leute mischt.

Die versucht in jedem etwas Liebenswertes zu finden und sich auf Dinge konzentriert die sie nicht stören.

und findet sie.

Es geht darum begehrenswert zu sein, das Gefühl zu verdrängen, dass man einfach umzupusten ist. Und das alte Thema: Er wird schöner, sie wird älter.

Es ist eine kühle Geschichte, wenn sie sich nicht gerade in schmetterlingshafter Dschungelschwüle befindet. Manchmal vielleicht zu kühl, zu unterdrückt, zu steril, wie eine Frauenarztpraxis, mit ganz viel Vorsicht etwas zu berühren und zu tun. Und so ist es dieser magische Abstand, der das Drama entwickelt und der sich auflösen muss ohne Erlösung zu finden.

Die Sorgfalt, mit der sich die Frau um ihre Wunden kümmert und die Lippen die Bekenntnisse erzählen, als wären es Vorgänge in dieser Sekunde.

Der Mann muss dazwischen untergehen, wie ein Schiff mit Leck.

Eine großartige Geschichte, langbeinig und etwas steif erzählt.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.