gesehen am 23. 10. 2011
Darf ich mich als fertig betrachten?
Man kommt nicht umhin sich bei diesem Film immer und immer zu fragen: Stimmt das jetzt so? Ist das ein Fehler? Ist das nicht albern? Der Kauz ist sich sicher, dass man dem Herren Almodovar zutrauen kann, dass alles in diesem Film sehr wohl Absicht ist, dass sich alles so und nicht anders gehört. Das es so sein muss, dass da plötzlich, in der Steifheit und säuberlichen Dahingestreutheit eines ländlichen Hauses, ein Mann im Tigerkostüm auftaucht, der sich sexuell wie ein wildes Tier gebärdet und es nicht abwarten kann schnell genug in sein, zwar irritiertes aber williges Opfer einzudringen, welches er, nebenbei bemerkt, bis vor einige Minuten noch für tot gehalten hat.
Lass uns zum Vögeln in den Garten gehen.
Ich hab genug vom Vögeln im Freien.
Das es um Haut geht, um Transplantation, um das Aussehen der Menschen und ob sich mit einem herumschnipseln daran auch das Innere ändert, das macht den Tiger sinnvoll, dass er sich wie ein wildes Tier gebärdet auch, trotzdem passt er einfach nicht in den Film hinein, man meint die Nähte zu sehen, mit denen er reingenäht wurde. So ist es mit der ganzen großen Geschichte, die wie immer bei diesem erzählerisch gewandten Regisseur stimmt und klappt, trotzdem sind einzelne Szenen so merkwürdig, so bedrückend, so witzig: Ein Paradiesgarten in dem an jeder Ecke gefickt wird. Ein Mann der zu einer Frau zusammengenäht wird und der kleine, verschieden große Dildos zum Einführen und Erweitern des neu erhaltenen weiblichen Geschlechtsteils erhält. Erschreckend und absurd, irgendwie sinnvoll aber nicht ganz in die sterile Yoga-Reinheit, die dieser Film auch besitzt, passend.
Wie Louise Bourgeois, die Puppen bastelt, eine Art kleine Schmerzensmänner (was auch die Hauptfigur tut), wird auch hier der Mensch zu einer Puppe, die man gestalten kann, die man zurechtnähen kann. Da stecken Köpfe von Menschen in Häusern, während sich Ärzte der gepflegten Bonsai-Zucht und Züchtigung hingeben. Warum nicht alles enden lassen mit einer gleichgeschlechtlichen Liebesbeziehung, die zu guter Letzt die Operation doch noch in einem sanften Licht erscheinen lässt: Märchenhafter, dann doch wieder sehr runder, Almodovar.
