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die unsichtbare

gesehen am 10. 02. 2012

Nur weil man an ihr rumbasteln kann, nur weil man da einen Menschen hat, der schwächer zu sein scheint als man selber, greift man in die Menge und zerrt ihn am Schlafittchen heraus, da kann er noch so zappeln und sich wehren und man selbst kann für einen Moment seine eigene Unzulänglichkeit vergessen. Wenn sich dieses Etwas aber nun wehrt, dieses Objekt des Knetspiels und es zerrt und zappelt und es sich fast selbst zerfleischt, daraus aber mit einem Mal stärker und selbstbewusster hervortritt – worüber es sich selbst ebenso wundert – mit einem Mal von einem ES zu einem ICH geworden ist, dann ist das eine starke Geschichte und der Herauszerrende, der am Anfang noch so stark erschien, muss den Schwanz einziehen.

Ein pädagogischer Arschtritt? Ein Sadist? Ein Psychotherapeut? Ein armer Irrer? Eine leitende Vaterfigur, die sie nie gehabt hat? Ein Liebhaber?

Was ist ein Schauspieler und was ist ein Regisseur und welch merkwürdige Verbindung gehen die beiden miteinander ein, die sie nicht lassen können, erst recht nicht, wenn sie weh tut. Und was bringt das einem Kauz? Vielleicht ist es interessant, weil es um das eine ICH geht, das sich aufspaltet, in das, was man vorgibt zu sein und das was man ist und das was man sein kann. Schauspieler spielen damit, sie bilden diese Schizophrenie in uns, in der Wirklichkeit ab, heben mehrere Personen aus einer hervor. Immer schwingt eine Unsicherheit mit, bei uns und bei ihnen, und manchmal tauchen Menschen auf, die uns ein Stück weiterbringen. Das muss nicht immer angenehm sein, oft ist es das nicht und immer muss man dabei ein wenig Fleisch im Maul des anderen lassen.

So gesehen, fand der Kauz den Film gut. Andererseits findet die Verwandlung der Schauspielerin in einem Kostüm statt, sie lernt wie sie selbst ist, in dem sie vorgibt jemand anderes zu sein und zerbricht schließlich so vollständig daran, dass sie in der letzten Konsequenz Selbstmord begehen will. Das ist ein bisschen viel, vielleicht ein bisschen zu viel, einen Tick zu weit über die Schwelle … für den Kauz.

Wir arbeiten an uns, wir arbeiten im wahren Leben an uns und wir spielen mit uns, immer.

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