gesehen am 29.12.2010
Die Oberleitungskabel – beobachtet aus dem Bahnfenster, gleich zu Beginn des Films – beschreiben es mit nur zwei Strichen: Die Parallelität zweier Leben und die Fragilität die immer mitschwingt.
Kennen lernen, zusammenziehen, nicht zusammenziehen, heiraten, nicht heiraten, keine Kinder haben wollen, Kinder haben wollen, Ja, Nein, doch zusammenziehen Fehlgeburt, Fremdgehen, getrennte Wege gehen, sich wieder treffen, Fehlgeburt, mit einander vereinigen, parallel gehen – du stirbst, ich auch.
Ein Paar geht seit Jahren parallel und sie gehen gut parallel, so gut, wie man es vielleicht selten in einem Film gesehen hat. Sophie Rois konnte der Kauz nie widerstehen, doch auch die Männer (Sebastian Schipper und Devid Striesow) sehen und finden sich und den Zuschauer. Eine Zeit lang war der Kauz ärgerlich auf den einen Mann, dass er diese zwar lange, aber doch so richtige Beziehung stört und dann tut dieser „andere“ Mann einem mit einem Mal Leid, denn er ist es, der eigentlich keine Verlässlichkeit hat, kein Rückzugsgebiet, keine Rückzugsperson. Das will er auch zu Beginn gar nicht. Da ist er glücklich mit dem wie sein Leben läuft: Er will nichts besitzen und er will sich nicht festlegen, weder auf viele Möbel, noch auf eine Frau oder einen Mann. Am Schluss ist er derjenige der wohl am meisten überrumpelt wird von allem: Den Beziehungen, den merkwürdigen Verstrickungen und das sich im Leben eben nicht alles kontrollieren lässt.
Kleine Szenen beschreiben die Verbindungen der einzelnen Personen, zu ihrer jeweiligen Familie und zu ihrer jeweiligen Vergangenheit und dann führen sie zusammen und sie sind nicht mehr nur zwei Parallelen, wie man das gewöhnt ist, sondern es sind drei. Und manchmal kreuzen sie sich und manchmal kann genau das gefährlich sein.
Liebe ist nicht deterministisch, Liebe ist immer ein Experiment und Beziehungen werden nicht so gelebt wie sie sollten, oder wie man es gemeinhin vermutet, sondern immer so, wie sie gerade passieren. Das ist der Liebe, besonders natürlich im subjektiven Empfinden, zu eigen: Die Unkontrollierbarkeit und auch Unkonventionalität.
Der Kauz hat sich amüsiert, denn so viel Sprachgeschick und Gefühl, so viel Witz und so viel blaue Augen hat der Kauz schon lange in keinem Film mehr gesehen, Woody Allen war dagegen eine aufgeblasene Papiertüte, die nicht einmal knallt, wenn man draufschlägt, dieser Film schon.
