Start: 28. Januar, 2010
Liegt man neben einem Mann in einem Bett und man spürt, dass er einen bemerkt und festhält obwohl er schläft, dann ist das einer der schönsten Momente, die man sich denken kann. Diese unbewusste Akzeptanz und Nähe, dieses Erspüren und Berühren im Schlaf.
Liegt man neben einem Mann und nimmt seine Hand um sie auf die eigenen Schulter zu legen und rutscht sie immerzu saft- und kraftlos herunter, dann ist das ein trauriges Bild. Tolstois Hand rutscht runter, wie ein Zeichen des Vergessens, wie ein Auseinanderleben, ein Aufgeben.
Da ist die Gräfin, in Sorge darum, dass ihr Mann all sein Vermögen vermacht. Da ist Tolstoi, der meint, dass Reichtum korrumpiert und er nicht für sich oder seine Familie schreibt, sondern für sein Volk, eine Arbeit zum Wohle aller Menschen.
Da ist die Gräfin die alles zu einer Oper macht, die pathetisch leidet und leidenschaftlich übertreibt. Da ist Tolstoi, auch er pathetisch in seinen Träumen doch puritanisch im Leben.
Warum sollte es auch nicht sein, du bist mein Werk, ich bin dein Werk, das ist es was Liebe ist.
Die Gräfin und Tolstoi, die Liebe eines jungen Sekretärs zu einer Frau. Die Enthaltsamkeit und die körperliche Liebe. Russland und sein Sommer in schönen Farben.
Warum sieht man nicht öfter etwas über die alte Liebe, über die lange Liebe, die ihre Anfangszeit, ihre Hochzeit, ihre Blüte hinter sich hat, aber vielleicht gerade deswegen so bedeutend ist. Man hat ein Leben miteinander gelebt und jetzt am Schluss wird es unmöglich zu bleiben aber auch zu gehen.
Ein Genie und seine Gräfin.
