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gesehen am 17.03.2011

Nachts zwischen 2 und 6 schreiben und der Gesellschaft in die Fresse hauen – ist das nicht ein bisschen langweilig?

Der alte Hamlet-Konflikt: Intellekt vs. Handeln, Gedanken vs. Taten

Der Versuch etwas zu tun und damit vielleicht etwas zu verändern führte bei Gudrun Ensslin über zwei Stufen der Aktion: Über Bernward Vesper der viel las, schrieb und Schriften verlegte, Vesper quasi als „gedanklicher“ Tatmensch und  Andreas Baader der alles Reden für sinnloses Geschwafel hielt, dem aber tatsächlich ein theoretischer Unterbau zu seinen Taten fehlte, der einen Gegenpart brauchte, den er in Ensslin fand.

Vaterrollen

Alle gehören zu den jungen Erwachsenen der Sechziger, die den Krieg nicht erlebt haben und stattdessen mit davon gezeichneten und oft sehr ambivalenten Vaterfiguren groß wurden. Auch um diese Vaterfiguren geht es – so wie es bei unseren erwachsenen Beziehungen immer auch um die Beziehungen unserer Kindheit geht – einmal Ensslins Vater, der evangelische Pfarrer, der ihr viel zu zurückhaltend ist und all sein Geld in das Studium seiner Tochter steckt … und das andere Mal um Will Vesper dem völkischen, in der Nazizeit gefeierten Dichter, dem der Sohn nachzueifern versucht, obwohl er doch eigentlich etwas völlig anderes will.

Mutterrollen

Die alte Mutterrolle: Kinder, Heim und Herd. Die Mütter Ensslin und Vesper Prototypen davon: Still und stumm am Tisch, mit großen Augen die darauf harren was der Mann zu sagen hat. Dazu nicken sie in jedem Fall und löffeln ihre Suppe.

Liebesbeziehung

Vesper und Ensslin betrügen sich und leben immer wieder ein nicht funktionales Dreiecksverhältnis das durch Baader endgültig zerstört wird.

Ein Dreieck wird immer zu einer Linie.

Es wird nicht  heroisiert, wie im Baader-Meinhof-Komplex. Oft sind die Figuren schwer zu verstehen, manchmal ungeheuer egomanisch und merkwürdig zielgesteuert, obwohl ein konkretes Ziel nirgendwo in Sicht ist. Eine vorantastende Generation, die irgendwann einen Stein in die Hand bekommt und diesen schleudert, der aber unerbittliche zu ihnen zurückkommt.

From Basti, serious man, nachdenkend über den Film, nachdenkend, ob wir nicht alle gemeinsam in einem großen Labor sitzen, so ganz im Allgemeinen und überhaupt überall auf der Welt!

Basti Gaststadtblogschreiberaushilfsdenkerfilmanseher:

Start 21. Januar 2009

Mit einem Fluch fängt alles an, mit einem Fluch hört alles auf. Oder man betrachtet alles nüchterner, rationaler, dann gibt es keine Flüche. Dann ist vielleicht alles bedeutungslos, und es ist vollkommen egal, ob man ein guter Mensch ist oder nicht, weil alles zufällig geschieht und schlechte Dinge nun einmal passieren.

Der Titel wird im wahrsten Sinne des Wortes ernst genommen. Die typisch amerikanische Vorstadtfamiliensiedlung ist so trist und grau, wie man nur sein kann. Ernst eben. Die Menschen sind wütend, deprimiert, ängstlich, entschlossen, verzweifelt. Selten glücklich oder gar frohlockend. Ernst eben.
Und das ist paradoxerweise ungemein unterhaltsam. Solange man eben Zeit hat zu lachen, bevor es wieder sehr ernst weitergeht. So wie der im Gegensatz zur übrigen Stimmung sehr lebhafte Soundtrack, der immer wieder auflebt, nur um wenig später abrupt zu verstummen.

Aus Spaß wurde Ernst. Ernst ist jetzt 10 Jahre alt.

Das Leben ist weitaus schwerer, wenn man ein ernster Mensch ist. Wenn man versucht, stets das Richtige zu tun. Auch wenn es bedeutet, sein eigenes Wohlbefinden mal hintenan zu stellen. Es wäre natürlich ein schöner Gedanke, dass man dafür belohnt wird. Es wäre doch wirklich fair, wenn jeder genau das bekäme, was er verdient. Aber so ist es nicht, ganz und gar nicht.
Sagt zumindest der Film. Vielleicht. Oder er sagt, dass man immer ein offenes Herz haben und unbegründetes Misstrauen beiseite legen sollte. Ob man dafür dann belohnt wird, bleibt im Dunkeln. Aber da es der schönere Gedanke ist, halten wir doch einfach daran fest.

Basti

Start 21. 01. 2010

Ein Filmbild, ein Schaubild, ein Lebensbild, ein Bildbild, ein Farbenbild, ein Asienbild. So jung und schon Verantwortung für ein anderes Leben übernehmen, schon beweisen, dass man stehen kann in dieser Welt – in der Bekannten und der einem Unbekannten. Da hängt man selbst hinterher mit seiner pupertären Unschlüssigkeit, seiner pokerhaften Spielfreude und seinen mühsam aufgelesenen Problemen.

Samedifferent, differentsame, different but the same, same and different, same but different − euphorisches Kopfgenicke und Selbsterkenntnis.

Ich trage dich, solange ich dich halten kann und ich genieße jeden Schritt mit dir.

Alles ist so ordentlich in Europa, deshalb dröhnen wir nach Asien, mit Heroin und Amphetamin. Aber eigentlich touchieren wir es nur am Rande. Ja wo kämen wir denn da auch hin, wenn sich alles vermischte. Ja wo kämen wir denn da hin, wenn sich jeder auf die Liebe einließe, mit all ihren unangenehmen Konsequenzen? Überbordende Individualität und Leidenschaft (welch pathetisches, verkitschtes oder vergessenes Wort). Es gibt doch noch Überraschungen in Lebensläufen, intuitive und nicht geplante Dinge: Liebe wo sie normalerweise nicht hinfällt: In ein fremdes Land (Kambodscha) und ein existentielles Problem (HIV).

Perplex von der eigenen Komplexität, der eigenen Eigenkomplexität, dem Draufgängertum und dem Mut, die Hände auf die Hüften zu stemmen und weiter zu gehen, in diese eine Richtung, für die man sich entschieden hat.

Hi Darling …

Gegen uniformistische Lebensvorstellungen und normative Lebensplanung, gegen Bequemlichkeit, für Mut und mit Hoffnung auf Glück.

Start: 14. Januar 2010

Tom und Veit unternehmen eine Reise durch ein vollkommen mauerfreies Land.

Du Mauer bist weg, einfach nur weggesungen und abdemonstriert.

Die beiden hatten schon immer eine andere Vorstellung von der Freiheit, vom Leben, von allem und weil sie bescheuerte Filme drehen und San Francisco der westlichest Punkt der Welt ist, deshalb fahren sie auch – los. Das gibt einen Ausverkauf für Mauerstücke die über den Atlantik geschippert sind als gäbe es keine Grenzen, die durch dieses Land dröhnen als wäre es ihre Scheiß-vertauenswürdige Heimat. So voller Zuversicht, dass man einen Moment das Gefühl bekommt, man sähe da einen Weg der Rettung. Einfach rein damit, mit dem Kopf, ganz tief in die Welt, in das Monstrum. Die Klimakonferenz war ein Desaster und Haiti wurde vom eigenen Erdboden durchgeschüttelt… lebt Leute lebt.

Man sitzt da mit einem leichten Dauergrinsen, mit einem leichten Dauerkrampf, man hört Brücken und Mauern und besonders eine rechte Faust, nach oben gereckt und enthusiastisch: „Freundschaft“ rufend. Sie zeigen Nosferatu-Abklatschfilme und DDR-Dokumentationen und man wünscht sich man hätte selbst diesen Stummfilm gedreht und wäre damit – wankelmütige, graffitiartige Kunst an Hauswände werfend – zumindest durch Europa gefahren. Man hätte sich das getraut, man hätte es gemacht … das und Public Nudity in aller Unschuld: Leben.

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