gesehen am 13. 08. 2010
Es geht um das Stehlen (die Extraktion) und das Einpflanzen (die Inception) von Gedanken und darum woher diese kommen und wann sie als die eigenen bezeichnet werden.
Im Traum kann unser Verstand fast alles, er kreiert und nimmt gleichzeitig wahr.
Sechs unterschiedliche aber saucoole Typen tauchen in den Traum eines Opfers: Der Extraktor, die Architektin, der Chemiker, der Erfinder, der Tourist, der Schatten und später kommt noch das Opfer selbst dazu. Nun beginnt das absurde aber faszinierende Ebenen-hopping.
Würde man mit einem Psychologen oder einem Psychotherapeuten darüber sprechen über das Unter- oder auch das Unbewusste etc. würden die fiktiven, pseudo-psychologischen Tragebalken des Geschichten-Gerüsts in sich zusammenfallen. Christopher Nolan hat aber das, sowie auch die neuronalen Zusammenhänge, die menschlichen Gehirnsynapsen und wie wir damit arbeiten – sei es nun im Traum oder in der Realität – absichtlich außen vor gelassen. Er begründet nicht, er stellt ganz kurz seine Fakten da: Die Zeit läuft in jeder Ebene schneller, physikalische Einflüsse der darüber liegenden Ebene sind auf der darunter zu spüren (potenzieren sich aber merkwürdigerweise, anders als die Zeit, nicht in der noch eins tiefer liegenden), man schlüpft einfach mit Hilfe eines runden, merkwürdigen technischen Geräts in die Träume des anderen hinein und Dinge die Nolan als „Totem“ bezeichnet sollen uns zeigen ob wir in der Realität sind oder nicht, der Unterschied bzw. der Zusammenhang zwischen Erinnerung und Unterbewusstsein werden nur rudimentär angekratzt, auch was genau Projektionen sind und ob die Projektionen der eigenen Kinder diese in der Realität ersetzen, wird als gegeben eingeführt und niemals erklärt … es scheint, als habe Nolan sich eine Welt zusammen gedacht die fähig ist zu spektakulärer Action, die Psychologie und das menschliche Gehirn aber so einfach wie möglich hält.
Außerdem: Wer bitte träumt so? Bei wem laufen nicht absurde Halbwesen herum und verdrängtes Unterbewusstes in haltloser Form? Das Krude? Das Verdammte? Bilder jenseits unserer bekannten Zeit und Physis? Angenommen die Architekten könnten bauen was sie wollen und sie wären so phantasielos dies völlig realistisch zu machen, weshalb gibt es da unten nicht noch viel Unkontrollierbareres, Unrealeres?
In weiten Strecken hat den Kauz der Film sehr an Shutter Island erinnert: Ein Mann der nicht weiß was die Realität ist, bzw. nicht weiß, wo er sich befindet. Doch Shutter Island ist um einiges dreckiger und schmutziger, Inception ist steril, clean. Manchmal ist ein riesiges Budget vielleicht gar nicht so erstrebenswert, denken wir an Being John Malkovich von Spike Jones, ein ganz erstaunlicher Film, der mit einfachen Mitteln darstellt, wie es sein könnte, in ein Gehirn einzutauchen.
Dann der zweite Film den man hier nennen sollte: Natürlich Matrix (Teil1). Bei ihm nur war es die Technik das intelligent Künstliche, die Matrix, die uns vorgaukelt, dass das, was wir sehen, die Realität ist, obwohl die Wahrheit irgendwo dahinter liegt und gar nicht schön ist. Die beiden Filme sind sich in ihrer Coolness sehr ähnlich, der Unterschied besteht darin, dass man Matrix das Ganze abnimmt. Es geht irgendwie um die Zukunft und um eine Science der wir die Fiction abnehmen können, wogegen wir beim Eintauchen in unser Gehirn nicht so recht glauben können, dass es da so wenig Fiction gibt.
Aber abgesehen von all den Ungereimtheiten muss der Kauz sagen, dass es endlich mal wieder ein Film zum denken ist, ein Film mit einer Idee, mit einem phantastischen Konstrukt und ebensolchen Bildern, bei dem er so viel mitgeschrieben hat, wie noch nie. Welten zusammendenken sollen Regisseure, sie sind quasi die Architekten und die Befüller mit Projektionen und mit Geschichten.
