Gesehen am 09. 06. 2010
Realismus: Verwackelt, oft von hinten, wenig Nahaufnahmen und kaum frontale Gesichter, weil die Kamera ignoriert wird. Ein Film in dunkel-grau, mit ganz viel Regen, für uns Urlauber ein etwas ungewohntes Rombild.
Es beginnt mit einem Spielplatz irgendwo an der Peripherie von Rom und einem lauten, wütenden Geschrei nach einem Hund und dann kommt der rote Haarschopf einer nicht mehr ganz jungen Frau, die ein rosa-gekleidetes Kind von der Schaukel hebt und anfängt die Mutter zu suchen.
Das tut sie die ganze Zeit – die Mutter suchen – doch eigentlich hat sie dieses Kind gleich bei sich aufgenommen. Patti-Partizia heißt sie, sie und ihr Mann Walter, der Ziegen dressiert, leben in einem Wohnwagenvorort, hinter einer wild beklebten Plakatwand. Mehrere Personen tauchen auf, die etwas über die Mutter und ihr Verschwinden wissen oder ahnen, doch das wird immer nebensächlicher, denn das Kind schlägt sie alle in seinen Bann und zeigt ihnen jede Sekunde, wie schön es ist zu entdecken und zu erleben.
Das ist vielleicht etwas zu wenig, weil es etwas zu viel echtes Leben ist. Man sieht das Kind herumtollen, es lachen und reden lernen (wie Kinder das tun, die nicht bewusst schauspielen) – man kennt das, aber im echten Leben ist es besser. Vielleicht soll damit jenen geholfen werden, die diese Feinheiten dieses lebenswerte Weltentdecken verloren haben – doch ich befürchte, denen kann ein Film auch nicht mehr helfen.
Walter und Patti sind zu alt für eine Adoption und so kümmern sie sich eine kleine Weile um das Mädchen, mit dem Wissen, dass es vergehen wird. Es ist eine melancholische, aber auch pragmatische Liebenswürdigkeit, die der Film ausstrahlt, wie ein Familienvideo aus Zeiten, die schon lange vergangen sind und deren Schönheit man sich im Moment ihres Seins nicht bewusst war. Im Nachhinein wird man melancholisch.
