gesehen am 06. 10. 2011
Wohldurchdacht, blau-kühl und ja auch das, das schöne Wort: Bildgewaltig. Ein Film wie eine bewegte Malerei.
1. Kapitel: Justine
und das Hinausmanövrieren aus bekiesten Einfahrten durch die Braut, die dieser gegenwärtigen Begebenheit so viel mehr Vergnügen abgewinnt als der ganzen folgenden Hochzeit, ihren Ritualen, ihren Krisen, ihren Unbequemlichkeiten und ihren wolkigen Hochzeitstortengeläut. Ein Korsett kommt nach dem nächsten und die erzwungene Fröhlichkeit tropft vom Gesicht der Braut, die sich in die Einsamkeit der Natur stiehlt, um mit deren Aufnahme in sich der Angst entgegenzuwirken die sich überall, wie ein dickes Spinnengewebe, wie moosige Flechten, die saugen und einen einsaugen, breit macht. Mühsames Waten durch Waldwelten und Warten auf das Nichts.
Darüber reden wir, wenn es soweit ist …
Am Lächeln am Lächeln am Lächeln, immer am Lächeln: Unvollständiges Gesicht, unvollständige Welt.
Nichts …
2. Kapitel: Claire
die Mutter, mit Kind und Mann, ein Haus, ein Hort. Der Mann der der Wissenschaft traut. Die Statik eines Kindes, das an eine Puppe erinnert. Ein Ort, der in seiner Unwirklichkeit und Schönheit barockartig ist: Dekadent, schön und immer mit einem Gedanken beim Tod. Symmetrisch geworfene Schatten. Ein Planeten, der in ihren letzten Tagen die Schönheit der Erde bescheint: Blau, unterkühlt, schön, melancholisch. Ein Film wie eine blaue Stunde.
Frauen und Tiere: Ihre Vereinigung, ihre Gebärenden, von Triers Faszination: Das große Unbekannte. Das schöne Schreckliche und das schrecklich Schöne! Gleichzeitig sich-unwohlfühlen und fasziniert-sein, verstört und und betört sein: Ein psychologischer Weltuntergangsfilm, ein Kammerspiel von verstandesübergreifender Größe: Eine magische Höhle.
