Moon
gesehen am 15. 07. 2010
Ein Sam Bell (Sam Rockwell), zu Zweit auf einer Mondstation. Ein Arbeiter, verschlossen in einer weiß-schwarz-grauen klaustrophobische Umgebung, umtönt von minimalistischer Klaviermusik. Drei Jahre seines Lebens hat er hier oben verbracht, fern von Frau und Tochter, fern von der Erde, die man mit einem einzigen allumfassenden Blick betrachten kann. Drei Jahre zusammen mit dem Roboter Gerty, der nur um das Wohlergehen seines Schützlings besorgt ist und mit einem Smiley, einer einfachen, aber effektiven Art, menschliche Mimik zu imitieren, Soziales vorgauckelt. Der Live-Feed zur Erde funktioniert nicht, alles was er von der Erde bekommt sind zeitversetzte Tonbandaufnahmen. Sam hat noch zwei Wochen.
Und schon das ist verdächtig, eigentlich ist alles verdächtig und es geht auch nicht um das Aha des Klonens und des menschlichen Verschleißes, sondern um die Stimmung des Materials Mensch.
Der Mensch ist in einer Art Karton eingeschlossen, der wie selbst gebastelt aussieht, nicht wie in ein Wunder der Technik, das für 70% der sauberen Energieversorgung der Erde verantwortlich ist. Dieser Karton ist schon eine Weile in Betrieb, selbst Gerty ist vollgesuppt mit Kaffee und setzt Patina an. Die schwarz-weißen Fernsehaufnahmen vergangener Sendungen die er sieht, seine Beschäftigung mit dem Modell des Stadtteils aus dem er kommt, all das wirkt wie improvisiert, wie lieblos hingelallt. Sam hat noch zwei Wochen.
Sam, wie die Raumstation, abgehalftert und etwas verranzt mit der Verwahrlosung des Einsamen, dem Bart, der Trainingshose, den Schlappen und einem Gehirn, das sich aufreibt an der weißen Wand, abgeworben um riesige Ungetüme dabei zu beaufsichtigen, wie sie Gestein abbauen. Die völlige Effizienz des Menschen und diesen im besten Alter auf die perfideste Weise zu motivieren, durch das Eintrichtern einer Vergangenheit, die so für ihn nie existiert hat. Das Leben erleichtern auf dem Rücken der andere, das alte Problem des vergesslichen, bequemen Egoismus der Reichen in der Welt.
Sam spricht mit Sam und Sam weiß, wie Sam ist, was er tut, wie er sich verhält. Das er manchmal unkontrolliert aggressiv wird und ob er töten kann. Er hat diesen anderen Sam draussen gefunden, draussen im Gestein. Sam hat noch zwei Wochen.
Man ist sich nicht sicher ob es besser gewesen wäre für Sam, nicht die Wahrheit zu kennen, das Konstrukt als Wahrheit zu behalten. Glücklicher wäre er vielleicht. Doch da ist der Drang nach Wahrheit, der die künstliche Matrix zum Einsturz bringen will: Philosophie und Platons Schattenspiele auf der Höhlenwand. Die Frage nach der Idee dahinter, der Realität.
Dem Regisseur Duncan Jones (und ja, er ist David Bowies Sohn) gelingt ein feines Kammerstück von der Begegnung eines Menschen mit sich selbst und seines Begreifens: Wozu bin ich da.
- Ein zukünftiger Retrofilm eine Weltraumretrospektive in der Zukunft -
