gesehen am 05. 08. 2010
Das Kind ist geistig zurückgeblieben, sein Leben lang wird es abhängig bleiben von seiner Mutter. Eine erzwungene ödipale Dauerbeziehung, aus der keiner entfliehen kann und will.
So schlafen sie in einem gemeinsamen Bett, betatschen gegenseitig in tiefer Unschuld ihre Brüste und stehen mit voller Imbrunst für einander ein. Eine zarte, fast übersehbare kleine Frau ist diese Mutter, die in ihrer Nichtigkeit überall Ermittlungen anstellen kann, als ihr Sohn verdächtig wird, ein Mädchen umgebracht zu haben. Sie ermittelt sich bescheiden aber klug durch diese koreanische Gesellschaft, handelt überlegt und bedacht und völlig unverdächtig. Was in ihrem Inneren gärt ist erst am Schluss zu sehen, als sie sich – eine Brücke zum Anfang – auf einem ausgetrockneten Grasfeld zu spanischer Gitarrenmusik bewegt, ein Mutterkorn im Akkupunkturrausch: Sie weiß, wo man die Nadeln setzen muss um schlimme Gedanken zu vertreiben, sie weiß wo man die Schläfen drücken muss, um tiefer Erinnerungen hervorzurufen, selbst sehr lange vergangene.
Der Junge wird mit Hähnchenfleisch gefüttert, das sie fein säuberlich vom Knochen löst und ihm in blassen Scheiben über den Tellerrand legt. Der Junge nimmt es mit fliegenden Fingern, ohne ihre Sorgfalt zu beachten oder ihr zu danken. Dann springt er auf und läuft fort. Die Mutter folgt ihm, weil er Tee trinken soll, wegen seinem Magen, natürlich. In einer Schale trägt sie den dunklen Tee, bis auf die Straße, wo Mutter und Sohn vor einer blau-grauen, fensterlosen Steinwand stehen bleiben. Man sieht den Sohn von hinten, er pinkelt. Die Mutter nähert sich von der Seite, mit der Schale in den Händen und betrachtet ganz offenbar sein Geschlechtsteil, eine Weile, dann flößt sie ihm von der Seite Tee ein. Er oben Tee rein, unten Flüssigkeit raus lassend trinkt hektisch, ein Bus fährt vorbei, er lässt vom Tee ab, schließt fahrig seine Hosentür und muss gehen. Die Mutter, noch Tee in der Schüssel, ruft ihm nach, dass er ihn trinken soll. Alleine steht sie vor der riesenhaften nackten Wand, mit der Schüssel in den Händen, rechts neben ihr der dunkle feuchte Fleck. Sie sieht sich um, stellt den Tee ab und hievt eine Steinplatte vor das Nass an der Wand, ganz als wäre nichts gewesen.
Das ist die psychologische Essenz, der Rest ist ein guter Krimi, mehr nicht, aber auch nicht weniger.
