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precious

Der Mai und das ist mein erster Artikel – über einen Film der fast nirgendwo mehr läuft – wo ist sie hin die Zeit? – Auch sie läuft!


Jeden Tag sage ich mir: Irgendetwas wird schon noch passieren – Irgendwann.

16 Jahre, 1987
Clarice und Daddy liebt dich
Alternativschule
Talent für Mathematik
Fürsorge, Mongo und müde Augen
Träumen in Filmbildern, unerbittlich und Aids

Ah die Welt übertreibt mal wieder, denkt man, wenn man sich das ganze Elend so an sieht. Dann fasst man sich an den Kopf: Das ist nicht die Welt, das ist Film. Man fühlt sich voyeuristisch, denkt plötzlich in Schichten, in Schwarz und Weiß, Arm und Reich, gebildet und ungebildet und man beist sich auf die Zunge, weil in so etwas will man nicht denken. Es ist wie eine kuriose Dokumentation über befremdliche Verhältnisse, die man sich so irgendwie vorgestellt hat in seiner gutmütigen betulichen bürgerlichen Mittelschicht. Man hört damit auf sich an den Kopf zu fassen und auf die Zunge zu beißen und …

Da ist ein 16 jähriges Mädchen, zum zweiten Mal schwanger, von ihrem Vater und die Mutter zerfressen von einer unheimlich arroganten, aber vor allem dummen Eifersucht wirft mit Bratpfannen nach ihr und schlägt sie unerbittlich, als wäre dieses Kind für ihr Leben verantwortlich und nicht allein sie selbst oder wenn das schon nicht, so doch die Umstände, nein es muss eine Person sein, die alles abbekommt. Precious! Sie trifft auf Menschen mit müden Augen, die nur die halbe Realität sehen, weil sie die andere nicht auch noch vertragen können und diese Menschen helfen so gut es geht: Die Lehrerin in der Alternativschule, der Krankenpfleger und die Beauftragte des Fürsorgeamtes. Raus holen kann sie da keiner, es geht um ein Weitermachen, um eine stoische Stärke, die etwas heldenhaftes hat und der ganzen grausamen Welt durch die nackte Schulter des Weitermachens die Zunge rausstreckt.

So ist der Film nicht tot-traurig, weil es kein Opfer-Film ist, obwohl er das im eigentlichen Sinne wahrscheinlich ist.

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