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tanzt sonst sind wir verloren

gesehen am 18. 02. 2011

Theater / Tanz: Körperliche Präsenz im Hier und Jetzt. Ein gemeinsamer Raum den sich Publikum und Schauspieler / Tänzer teilen. Ein nicht mehr zu wiederholender Augenblick, ein ganz und gar einzigartiger Moment. Nicht archivierbar.

Film: Nahaufnahmen, Schnitte, bestimmte Töne.

Wim Wenders versucht beides ineinander aufgehen zu lassen, manchmal gelingt es ihm.

Möglich, sagt der Kauz, der sein Leben in einem Kinoblog lebt, dass der Körper irgendwann einmal völlig obsolet wird, dass man ihn nicht mehr braucht, dass man vorgeben kann etwas zu sein was man nicht ist, weil man es nicht mehr durch einen Körper und dessen Überzeugungskraft beweisen muss. Möglich aber auch, sagt der Kauz und kratzt sich am Schädel, dass der Mensch sowohl Körper als auch Geist in sich hat und zum Leben braucht, so dass die Abschaffung des Körpers mit einer Abschaffung des Geistes einher laufen würde. Die Gefahr besteht, so viel Natur ist der Mensch noch. Zurück zum Film, sagt der Kauz.

Man kann alles lesen, sagt Pina einmal: Jeden Körper, jede Geste, jede Bewegung, jeden Gesichtsausdruck und die Stellungen der unterschiedlichen Körper zu einander. Man muss sensibel dafür sein. Genauso sensibel wie für diesen Film, der die Kraft und die Leidenschaft trotz der Leinwand und damit wieder einmal der getrennten Luft zwischen Autor und Rezipient verbreiten kann. Er kann es, wenn auch nicht immer: Die Leinwand mit Abbildungen ist doch immer was anderes als ein raler Raum voller Menschen!

Eine Frau umarmt einen Mann inniglich, ein anderer Mann kommt, stellt sich hinter die Frau und nimmt ihre Arme von dem Mann weg. Dann formt er die Arme des anderen Mannes zu einer Art Halterung und legt die Frau darauf und geht. Der haltende Mann lässt nach einer Weile die Frau los. Sie fällt auf den Boden. Der andere Mann kommt zurück und das Ganze beginnt von vorne … und ein weiteres Mal und ein weiteres Mal und ein weiteres Mal. Es wir immer schneller und schneller, geht in eine fließende tänzerische Bewegung über … und irgendwie ist das sehr sehr berührend.

Ganz starke Gesichter hat Pina Bausch da in ihrer Kompanie: Alt und jung, faltig und lang … und irgendwie alle samt sehr sehr erdig!

Weich und hart.
Elektronische Beats und Flöten.
Das Ruhrgebiet und die Schwebebahn.

Sie sah alles und spürte alles, mehr als andere Menschen.

Vielleicht ist das der Unterschied zwischen einer Künstlerin und uns, vielleicht ist das der Sinn der Künstler und das, was sie uns zeigen wollen und sollen. Man bekommt den Eindruck Pina hat mit ihren Tänzern gesucht, war auf der Suche nach Bewegungen die Gefühle verkörperlichen, zwischenmenschliche Zusammenhänge und existenzialistische Fragen aufzeigen und vergegenwärtigen.

Jede Geste, jeder Schritt, zu allem sollt ihr stehen!

Ein alter Projektor zeigt schwarz-weiß Aufnahmen von einer tanzenden Pina: Da ist er, der Film, der die Toten wieder zum Leben erwecken kann.

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