Das Kino feiert sich selbst. Das tut es gerne: Beim Oscar in langen Roben und mit Krönchen auf dem Gesäß und bei Premieren und dem roten Teppich, den sie extra dafür häkeln, um daraus anschließend Täschchen für die Luxus-Industrie zu produzieren. Das dürfen sie auch: Also ein Glas Sekt auf die goldenen Anfangszeiten des Mediums! Das Schöne ist, findet zumindest der immer ein bisschen sentimentale Kauz, dass sich das Kino zu Beginn dieses Jahres etwas zu besinnen scheint, nach 3D Spektakeln, mit Extremitäten die uns entgegenfliegen und Hände die nach uns greifen, Schwertern die stechen, nun eine Rückkehr zur Erzählung (J. EDGAR, MONEYBALL, ZIEMLICH BESTE FREUNDE, THE IDES OF MARCH).
Da dreht jemand einen Stummfilm über das Thema Stummfilm. Also müssen Schauspieler, Menschen in einem Stummfilm spielen und Menschen die in einem Stummfilm Schauspieler in einem Stummfilm spielen. Klar soweit? Das Kino, wie ohnehin fast Alles und Jeder immer mal wieder, glorifiziert seine Anfangszeit, nimmt sie ab und zu auf den Schoß und zeigt sie denen, die sie nicht als schwarz-weiß Foto im Familienalbum kleben haben.
Pompöse, theatralische Musik, an die sich die wenig klassisch gebildeten Ohren des Kauzes erst gewöhnen mussten, die er aber immer besser fand. Damals besaß die Leinwand, noch einen Konzertgraben zu ihren Füßen, das Kino war mit dem Theater vergleichbar. Das Theater war dem Film aber, was Farbe und Ton anbelangte, einen Schritt voraus. Was blieb übrig? Alles hinein in Mimik und Gestik, für uns eine Lehre der Körpersprache, die aus diesem Defizit gewonnen wurde.
Please be silent behind the screen.
Es ist erstaunlich, wie leicht es funktioniert, wie charmant man es findet, wie einfach es ist, Blicke und Gesten in Geschichten zu übersetzen.
Andererseits kann man auch sehen, wie sehr der Film dahingehend konstruiert und zusammengesetzt ist: Wer steht wo? Oben oder unten auf einer Treppe? Wer steigt die Erfolgsleiter rauf und wer runter? Wer wird beleuchtet und strahlt, wer agiert eher im Schatten? – Trauer und Freude, Lebenslust und Depression. Wer bekommt die zarten Streicher und wer das lustige Klingen? – Die Frau, der Hund.
Wenn man sich darauf und auch auf die sehr simple Geschichte konzentriert, dann fühlt man sich behaglich geschaukelt wie ein Kind, aber auch nicht so ganz ernst genommen.
Ein anderes Manko, eigentlich ein ganz Schönes, ist die Frau, die Hauptdarstellerin, die doch sehr unserem aktuellen Schönheitsideal entspricht: Groß, schlank, breiter Mund. Sicherlich hat sie Ausstrahlung, aber in die zwanziger Jahre, in denen die Frauen im Film etwas kleiner und geschwungener waren, hätte sie nicht gepasst.
Young, pretty and talking!
