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the kids are all right

Verlagerung der Kampfzone

The Kids are All Right (R: Lisa Cholodenko; B: Lisa Cholodenko & Stuart Bloomberg; D: Annette Bening, Julianne Moore; Mark Ruffalo)

Eigentlich geht es Laser und Joni, den Kids in diesem Film, wirklich gut: Joni (Mia Wasikowska) ist gerade 18 geworden, mit der High School fertig und vom College ihrer Wahl angenommen worden. Der baldige Auszug aus dem elterlichen Haus steht bevor, nur mit der Liebe scheint es nicht recht zu klappen. Und auch Laser (Josh Hutcherson) ist okay: Beim Skaten Mülltonnen umstoßen und mit dem ungleich rabaukigeren Freund Ritalin schnupfen – so äußert sich postpubertäre Rebellion bei ihm. Was er sich hingegen wünscht ist komplett romantisch: Er möchte seinen biologischen Vater kennen lernen. Denn Lasers und Jonis Eltern sind zwei Mütter, und so bittet er seine Schwester ihren gemeinsamen Samenspender ausfindig zu machen.

Mit „The Kids are All Right“ ist Regisseurin und Drehbuchautorin Lisa Cholodenko zurück gekehrt nach L.A., ins Valley und den Laurel Canyon, wo bereits ihr gleichnamiger Film spielte, einen Ort, an dem „alternative“ Menschen wohnen, Künstler und Möchtegernkünstler, Bohemiens und Pseudo-Bohemiens, zwischen ganz Normalen.

Die Normale der Mütter ist die Ärztin Nic (Annette Bening), eine geerdete Frau, die das Traumtanzen ihrer Partnerin Jules (Julianne Moore) überlässt. Jules jüngste Idee ist, sich als Landschaftsarchitektin zu verwirklichen. Und Nic schluckt dies wie alle Kindereien, die ihrer Kinder und die ihrer Frau, mit einem abendlichen Glas Wein hinunter. Erst als Paul (Mark Ruffalo), Biorestaurantbesitzer, Ökobauer und eben gesuchter Samenspender in ihr Leben tritt, beginnt sie, die Contenance zu verlieren.

Die Musik der 70er spielt in „The Kids are All Right“ eine große Rolle. Schon der Titel ist angelehnt an den The Who Song „The kids are alright“. Doch auch wenn die Kindern „ganz im Recht“ sind, geht es um die Probleme der Erwachsenen. Darum, wie sie ihre Felle davonschwimmen sehen. Um Jules, die sich in ihrer Mühe um Selbstverwirklichung nur belächelt glaubt, um Nic, die ihre Rolle als Familienoberhaupt in Frage gestellt sieht, und um Paul, der feststellen muss, dass er in seinem sorglosen Leben als Mitdreißiger vielleicht doch ganz Entscheidendes verpasst hat.

Mark Ruffalo spielt ihn als liebenswerten Aufschneider, charmant genug um die Sympathien, die ihm entgegen gebracht werden, glaubhaft zu machen, aber auch arrogant und neunmalklug, was die Ablehnung Nics ihm gegenüber erklärt. Und es ist ganz wunderbar, wenn Annette Bening dem Zorn ihrer Figur freien Lauf lässt: Bei einem Abendessen mit einem befreundeten Ehepaar erzählt der Mann, sein Frühstück bestehe zur Zeit aus einem Hanfmilchshake mit gefrorenen, aber frischen Früchten. Da erklärt Nic, wie sehr sie von ökologisch korrekter Ernährung, vom Unterstütze-regional-und-saisonal-Scheiß endgültig genug hat. Eine reine Trotzreaktion und gerade deswegen so befreiend.

Auf der diesjährigen Berlinale wurde „The Kids are All Right“ mit dem Teddy Award, dem schwul-lesbischem Filmpreis, ausgezeichnet. Obwohl nicht die ganze queere Community begeistert war: Der Hetensex wird ausgiebig bebildert, der Gleichgeschlechtliche findet nur unter der Bettdecke statt. Als Anbiederung an Hollywood, als Kniefall vor dem Mainstreamgeschmack wurde das bemängelt – was natürlich totaler Unsinn ist: Die Sexszenen und ihre Darstellung folgen der Dramaturgie des Films, sie dienen seinem Humor. Denn der Film ist keine Ausweitung der Kampfzone Beziehung, sondern ihre sehr, sehr charmante Verlagerung ins Gleichgeschlechtliche.

Florian Boser

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