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zettl

gesehen am 04. 02. 2012

Was waren das noch für Zeiten: MONACO FRANZE und KIR ROYAL. Als die bayerische Schickeria die Leopoldstraße hoch und runter stöckelte, viel trank und viel busserlte! Einer ist im Gulliloch des Gehwegs steckengeblieben, der Herr Dietl. Schön wäre, wenn er direkt in den Achtzigern stecken geblieben wäre, mit ausgestrecktem kleine Finger und diesen schnieken Tüchern die man um den Hals trug, dem gepflegten Oberbayerisch und einem leicht rotzigen, aber dennoch wohldurchdachten, intellektuellen Vokabular. Leider hat er sich wieder losgerissen und versucht das Alles für unsere Zeit zu verändern, es anzupassen und das geht schief. Was soll man sagen, zu Beginn von ZETTL gelingt ihm das sogar ganz gut, an den ruhigen Stellen, mit den feinen, spitzen Formulierungen, wenn er erklärt, dass das alte Sechzig das neue Vierzig ist und das Fünfzig das Dreißig: Jugendwahn und Verdrängungswahnsinn und die Fernsehshows mehr Schein als Sein:

Sie kommen bei jeder Sendung aber so warm rüber.

Ich bin aber bei jeder Sendung eiskalt.

Kommt aber wärmer rüber.

Oder der Pastor und seine Statisten Geld für die Aussprache der lateinischen Fremdsprache bei der Beerdigung von Baby Schimmerlos erhalten wollen.

Und einem Toten in seinem Zustand ist es egal, wo er beerdigt wird.

Leider drehen Dietl und Film irgendwann durch, verlieren jeden Faden, jedes Gefühl für Takt. Vielleicht macht das der Herr Dietl tatsächlich um der neuen Zeit gerecht zu werden, ihrem Facebook und Twitter, ihrer Geschwindigkeit und dem Übermaß an allem: An Blabla, an Informationsfluss und am Überall-dabei-sein-wollen: In den Medien, der Liebe, dem Ehrgeiz, der SPD und CDU, der Bürgermeisterin, dem Ministerpräsidenten und dem Kanzler, der Gegenwart (Politwahnsinn und Medienhype, mit zeitnah ins Netz gestellten Nachrichten) und der Vergangenheit (Kir Royal). In den Achtzigern war er schneller als die anderen, jetzt wollte er sich selber überholen und ist dabei gestolpert.

Dass die Bürgermeisterin mit dem Schweizer Finanzier des Nächtens Schokolade an Hartz IV Empfänger verteilt, beschreibt die Schweiz und Berlin, allerdings beides in seiner einfachsten, klischeehaftesten Form. Vielleicht wäre da doch München passender für Dietl, da kennt er sich ein bisschen besser aus, da wollte er auch nie so hoch und so weit hinaus. Die Geschichte entgleitet so absurd, dass man ihn anhalten und beruhigen will, wieder in die leere Redaktion des „Berliner New Yorker“ schicken will, da erschien alles noch so gut.

Hysterisch ist Dietl, fast schon ein hysterischer Historiker seiner selbst.

Darf ich jetzt meine Lanze für die Kunst brechen?

Nein!

Dabei sind so gute Leute dabei: Dieter Hildebrandt, Christoph Süß, Senta Berger, Götz George, Sunnyi Melles, Ulrich Tukur, Harald Schmidt, Dagmar Manzel aber sie alle müssen, nach einem doch guten Start, ihr intelligentes Hirn baumeln lassen, sich mit Dialektspielereien abspeisen lassen und wie alberne Karikaturen wirken.

Herz geht grad noch, Gehirn geht gar nicht mehr.

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